Fachartikel Rezension: „Aus der Täuschung in die Ent-Täuschung; Zur Mittäterschaft von Frauen“

Ich habe diesen Fachartikel von Christina Thürmer-Rohr, aus dem Jahr 1990 deshalb ausgewählt, weil ich in meinen Blogbeiträgen das Thema Frauen oder Feminismus noch nicht behandelt habe.

Dieser Fachartikel stammt aus dem feministischen Essayband „Vagabundinnen“.

Meine Rezension ist in 3 Teile gegliedert. Zuerst werde ich den Artikel kurz zusammenfassen, danach werde ich kurz auf die Autorin eingehen und abschließend dazu Stellung nehmen.

 

Kurze Zusammenfassung:

Frauen sind gescheitert. Frauen sind an der Zerstörung der Umwelt, an Kriegen und am Unfrieden im Generellen mit Schuld. „´Mittäterschaft´, ist ein Wort, bei dem viele Frauen zusammenzucken. Es klingt unfeministisch, antifeministisch, so als würden neue Schuldige geschaffen und alte Täter entlastet.“ Immer wieder wird im Artikel erwähnt:“ Wir sind zu Mittäterinnen geworden,…“ So wird einmal gesagt, dass Frauen ein Wir-Gefühl mit den Männern entwickelt haben und daher schlimmstenfalls als Konkurrentinnen, nicht aber als Gegnerinnen wahrgenommen werden.

Des Weiteren wird darauf eingegangen, dass die Männer mit ihrem Patriachat am Ende sind und es keine Erben geben wird. ABER! Mit diesem Ende werden sich Frauen mehr und mehr ihre Rechte nehmen.

Es wird auch immer wieder auf die Erde Bezug genommen. Wie sie durch die Atomindustrie, durch Giftmülldeponien, durch das „Zugebautwerden“ von Beton und ähnlichem zerstört wird. „Wären Tiere und Pflanzen unsere ´Geschwister´, dann könnte die verunstaltete und ausgeraubte Natur wohl keinen anderen Wunsch haben, als dass die Menschen, diese ´Anti-Lebenden´, sich so schnell wie möglich davonmachen und ihren endgültigen Abgang von dieser Erde beschleunigen.“

Frauen sollen ebenfalls nicht zu den Erben der Männer zählen. Sie sollen nicht den „Dreck“ wegmachen den das Patriachat erzeugt hat. Dieses Vorgehen würde nur zur weiblichen Selbstopferung führen. Frauen würden „Trümmerfrauen des Patriachats“ genannt werden.

Wie konnte die Erde nun so zerstört werden? Warum haben die Frauen nichts dagegen unternommen? Hätte man die Zukunft noch retten können?

Einige Punkte werden dazu genannt: nämlich, dass Frauen zugesehen haben, wie die Erde zugerichtet wird „und daß Frauen diese Zurichtung entweder nicht aufhalten konnten oder sie nicht bemerkten oder sie freundlich-gläubig billigten oder sie erfindungsreich unterstützten.“

Gegen Mitte des Artikels wird eine Kurzgeschichte, „Der Tag X“, von Marie-Luise Kaschnitz vorgestellt. Auf diese werde ich nun jedoch nicht eingehen. Sie handelt aber auch davon, dass eine Frau vom Unheil gewusst, ihr niemand Glauben geschenkt hat und sie sich somit auch diesem Unheil wissentlich hingab.

Frauen dürfen nicht als Opfer des Patriachats angesehen werden. Würde man das machen, würde man sich selbst belügen. Das Leben muss nun so hingenommen werden wie es ist. Abschließend wird noch darauf Bezug genommen, wie wichtig unser Leben ist, es ist unersetzbar. „Und wenn wir gegen den Skandal auf dieser Erde revoltieren, dann nur aus einem Grund: Weil das Leben immer noch unverseuchte Augenblicke enthält. Solange wir noch in der Lage sind, sie zu empfinden, […]

 

Zur Autorin:

Durch Internetrecherchen bin ich darauf gestoßen, dass Christina Thürmer-Rohr, den Begriff „Mittäterschaft von Frauen“ als einen Fachbegriff der feministischen Theorie, 1983 eingeführt hat. Sie wurde 1936 geboren und ist eine deutsche Sozialwissenschaftlerin, feministische Theoretikerin und Musikerin. Christina Thürmer-Rohr gründete 1976 an der Technischen Universität Berlin den ersten Studienschwerpunkt Frauenforschung. Sie ist außerdem Mitbegründerin des Vereins „Sozialwissenschaftliche Forschung und Praxis für Frauen“. Feminismus steht für Christina Thürmer-Rohr als eine per se gegen den Strom gerichtete Denkweise.

 

Menschen im Plural statt im Singular zu begreifen und das Verschiedensein anzuerkennen, ist gleichbedeutend mit der Liebe zur Welt.

Christina Thürmer-Rohr

 

Eigene Stellungnahme:

Ich habe diesen Fachartikel zweimal gelesen. Ich muss mir selbst eingestehen, dass ich ihn nach dem ersten Mal lesen nicht ganz verstanden habe. Ein Grund dafür sind wahrscheinlich die vielen, mir unbekannten Wörter gewesen. Ich habe diese nachschlagen müssen, um die Zusammenhänge verstehen zu können. Danach fiel es mir leichter den Artikel zu verstehen. Zur Formatierung habe ich auch eine Anmerkung. Meiner Meinung nach wäre es hilfreicher gewesen, wenn die Autorin Unterüberschriften verwendet hätte. Trotz Absätzen, war der Artikel meiner Ansicht nach nicht sehr gut gegliedert und formatiert.

Das Thema des Artikels ist ein sehr wesentliches und war scheinbar damals schon aktuell. Die Zerstörung der Umwelt, sowie den gegenwärtigen Zustand der Gesellschaft, verursacht durch die Menschheit.

Im Artikel wird deutlich gemacht, dass Frauen ebenfalls Schuld an der Zerstörung der Umwelt und der gegenwärtigen Gesellschaft haben. Mhm, Mitschuld. Es geht deutlich hervor, dass die Männer, hauptsächlich die weißen Männer, Schuld an dem Unfrieden auf der Welt haben und Frauen „nur“ Mittäterinnen des Patriachats sind.

Ich bin da etwas anderer Meinung. JA, es gibt mehr Männer in Führungspositionen die für viele Entscheidungen zuständig sind, die unsere Welt betreffen. ABER es gibt auch genügend Frauen die ein Mitspracherecht haben. Außerdem sind es nicht nur Personen in Führungspositionen die unsere Lebenswelt mit ihren Entscheidungen zerstören. Nein, jeder einzelne von uns trägt dazu bei. Es beginnt schon mit der Entscheidung ob man lieber mit dem Auto in die Stadt fährt, mit dem Bus, oder mit dem Rad. Weiters treffen WIR die Entscheidung wo und wie wir unseren Müll trennen und entsorgen. Des Weiteren habe ich die Ansicht, dass auch viele Politikerinnen weltweit Unfrieden stiften. Ja, natürlich in Zusammenarbeit mit Männern, aber sie sind auch Teil von der Macht.

Ich möchte ein Beispiel einer Frau anführen, die wesentlichen Einfluss auf die österreichische Politik hatte. Diese Frau ist Barbara Rosenkranz. Sie gehörte der FPÖ an und war Landesrätin für Bauchrecht und Tierschutz in Niederösterreich. Durch die Medien ist mir bekannt, dass ihr Ehemann, Horst Rosenkranz, als rechtsextremer Aktivist bezeichnet wird und sie sich von seinen Ansichten über den Nationalsozialismus nie distanzierte.

Der Standard: „In den Fakten wird die Abschaffung des Verbotsgesetzes gegen nationalsozialistische Wiederbetätigung gefordert. Teilen sie diese Forderung?“

Antwort: „Dazu muß man sagen, und das ist ja nicht nur meine Meinung, das haben auch Beamte des Justizministeriums so gesehen, daß es keine günstige Lösung ist, Meinungen zu verbieten.“Später sagt sie, daß sie „ein radikal-liberales Verständnis von Meinungsfreiheit habe“. Damit sei „alles gesagt“. Es sei auf jeden Fall „günstiger, Handlungen zu bestrafen, als Meinungen zu bestrafen“. (Standard, 3.4.1993)

Mit diesem Beispiel will ich aufzeigen, dass sehr wohl auch Frauen, mit extremen Ansichten, in der Politik vertreten sind und somit mehr oder weniger einen Einfluss auf unsere Welt haben.

Ich bin der Meinung, dass nicht nur ein Geschlecht an allem Unheil Schuld hat, sondern sehr wohl alle Geschlechter. Zugegeben, ich würde mich zwar als Feministin bezeichnen die sich für die Gleichberechtigung von Frau und Mann einsetzt , dennoch halte ich nichts von dem zum Teil extrem Betriebenen. Aber ich bin generell keine Freundin von Dingen die extrem betrieben werden. (z.B. Rechts-/Linksextremismus)

Ich setze mich für Rechte von Frauen, als auch für Rechte von Männern ein. Ich werde Sozialarbeiterin und als Vertreterin dieser Berufsgruppe, sehe ich mich dazu verpflichtet, mich für alle Menschen einzusetzen und nicht ein Geschlecht zu bevorzugen. Ich wünsche mir lediglich von der Menschheit, dass sie zusammenhält und nicht, dass die Rechte einer bestimmten Personengruppe bevorzugt werden. In der Lehrveranstaltung „Menschen- und Spezialrecht“ habe ich gelernt, dass Menschenrechte immer in der Gesamtheit verwirklicht werden müssen. Das Einhalten eines Rechts, darf auf keinen Fall das Veranlassen der Verletzung eines anderen Rechts sein! Somit bin ich der Meinung, dass wir Menschen, egal welchem Geschlecht wir uns zugehörig fühlen, uns gegenseitig wertschätzen sollten. Ich bin froh, dass viele Frauen in der Vergangenheit und Gegenwart so viel erreicht haben. (Frauenwahlrecht, usw.) Dennoch gibt uns Frauen das nicht das Recht, nur uns als wichtig zu betrachten und andere Geschlechter außer Acht zu lassen.

Christina Thürmer-Rohr schrieb in einem weiteren Artikel namens „Mittäterschaft von Frauen: Die Komplizenschaft mit der Unterdrückung folgendes: „die Mittäterschaftsthese und ihr Misstrauen auch gegenüber der Frau in der Männergesellschaft leugnet nicht, dass Frauen immer wieder zu Opfern männlicher Gewalt und Kontrolle werden können.“ Weiters schreibt sie, dass man bei einer Frau die von Gewalt betroffen ist, nicht mit dem Mittäterschaftsansatz operieren darf. Wenn ich Frau Thürmer-Rohr richtig verstehe, meint das also, dass Frauen ihrer Meinung nach zwar auch zu Opfern männlicher Machtausübung werden können, jedoch auch, dass Frauen, wenn es um die Mittäterschaft bei der Umweltzerstörung, Politik, etc. geht, sie ebenfalls Mitschuld tragen können.

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass ich den Artikel, bis auf die mir unbekannten Wörter und trotz Meinungsverschiedenheiten, gut finde. Zum einen kritisiert Christina Thürmer-Rohr, als feministische Theoretikerin, selbst Frauen und ihre Teilhabe an der gegenwärtigen weltlichen Situation, zum zweiten zeigt der Artikel, dass es an uns liegt die Umwelt zu schützen und Frieden in unsere Welt zu bringen. Und dass wir uns endlich eingestehen müssen, dass wir etwas ändern können, um unser kostbares Leben, lebenswert zu erhalten. Der Artikel endet mit einem Satz, den ich euch nicht vorenthalten möchte. “Der verläßlichste Widerstand stammt aus der Fähigkeit zu leben – unversöhnt mit den Zurichtungen an uns und unversöhnt mit unserer Mittäterschaft.“

 

Am Thema bleiben von Anfang bis Ende und dabei veränderbar sein.

Christina Thürmer-Rohr


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